Geschwurbel

Geschwurbel ist ähnlich wie Geschwafel ein abwertend gebrauchter Ausdruck der Umgangssprache für vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltsleere Aussagen. Anwendung findet das Wort vorwiegend in Umgebungen, wo sprachliche Ausdrucksformen für eine abgrenzende Darstellung von besonderer Bedeutung sind, so in Politik, Religion, Werbung oder auch den Geisteswissenschaften. In der Literaturkritik wird die Bezeichnung verwendet, um schlechten Stil zu tadeln.
Sowohl Abschnitte geschriebener Texte wie Teile gesprochener Rede können als Geschwurbel bezeichnet werden. Für den Herabsetzungsversuch wird meist kein Inhaltsbezug aufgenommen, häufig ist darüber hinausgehend intendiert, einer argumentativen Darlegung für die beabsichtigte Abqualifikation auszuweichen. Da für eine begriffliche Bestimmung des Ausdrucks markierte Aussageinhalte selten umreißbar sind, wird oft der sprachliche Akt der Selbstdarstellung näher betrachtet (siehe Abschnitt Politik).

Das Wort Geschwurbel leitet sich etymologisch als Verbalsubstantiv von dem Verb schwurbeln, schwürbeln, schwirbeln (mittelhochdeutsch swerben, schwindlig werden, taumeln, sich im Kreise drehen, sich wirbelnd bewegen, wirbelnd sich bewegen, in verwirrter Menge sich bewegen) her und steht neben den Substantiven Schwurbel und Schwirbel mit ähnlicher Bedeutung, hebt aber im Unterschied zu diesen weniger auf den einzeln gefassten Vorgang ab als auf dessen Wiederholung. Im Grimmschen Deutschen Wörterbuch wird es als Lemma aufgeführt und mit ‚Verworrene Menge, Schwarm, Confuser Lärm, Taumel‘ wiedergegeben, als Belegstelle dient Johann Andreas Schmellers Bayerisches Wörterbuch.
Das Wort ist im deutschen Sprachgebiet nicht allerorts etabliert und wird eher selten gebraucht: Laut Textkorpus der Universität Leipzig gehört es zur Häufigkeitsklasse 17 (zum Vergleich gehört Geschwafel zur Häufigkeitsklasse 15). Im Rechtschreibduden ist es nicht enthalten (in 24. Auflage von 2006 ebenso wenig wie in 25. Auflage von 2009). Synonym werden oft Gelaber 2016 fußballtrikots, Geschwätz oder Geschwafel im Sinne von seichtem oder törichtem Gerede verwendet. Schwafeln ist über eine mutmaßliche Form schwâweln mit schwabbeln, schwappen verwandt (u/f/b-Verwandtschaft), aus einem Wortstamm mit dem Bedeutungsfeld „beben, zittern, schwanken, wackeln“, und verweist so wie ‚schwurbeln‘ auf eine Bewegung, deren Richtung nicht fest liegt.
In der Politik wird der Ausdruck im Zusammenhang mit ideologisch motivierten rhetorischen Aussagen verwendet. Beispiel: Dies geht freilich einher mit der nebulösen Rhetorik der autonomen Szene – ein Geschwurbel von »strukturellen Unterdrückungsverhältnissen« und deren Überwindung »im Hier und Jetzt«, das wohl mehr der Selbststilisierung als der politischen Auseinandersetzung dient.
Außerdem werden zu bestimmten Anlässen (Interviews, Gesprächsrunden) immer wieder vorgetragene Gemeinplätze als Geschwurbel bezeichnet.
In Rezensionen wird beispielsweise die wortreiche Schilderung von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen unter Vernachlässigung der Handlung, der übermäßige Gebrauch von Metaphern oder eine verworrene Erzählweise als Geschwurbel bezeichnet. Beispiel: Dass so ein erzreaktionäres Geschwurbel überhaupt ins Deutsche übersetzt wird, kann nur daran liegen, dass die weitschweifige Inbrunst eines überbordenden Erzählens mit der Tiefe der russischen Seele verwechselt wurde. (Jörg Magenau über den Roman „Ein Kranz für das Grab des Windes“ von Alan Tschertschessow in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 17. November 2003, S. 32)
Der Ausdruck wird auch in Bezug auf Werke der bildenden Kunst (abstraktes Geschwurbel in Öl) und Philosophie (gelehrtes Geschwurbel über Gott und die Welt) verwendet, gelegentlich mit besonderem Bezug auf die Postmoderne (Das klingt nach postmodernem Geschwurbel).
Eine unter anderem von Eckhard Henscheid verwendete Variante ist Hirnschwurbel.